Agilitysport für Einsteiger - Unser erstes Turnier
Vertrauen zwischen Mensch und Hund im Vordergrund
Als ich mich für ein Kooikerhondje entschied, hätte ich nie gedacht, dass ich ein Jahr später mit meiner Hündin Holly auf einem Hundesportplatz stehen - geschweige denn an einem Agilityturnier teilnehmen - würde. Ich wählte die Rasse, weil ich mir einen fröhlichen, liebenswerten, agilen und sensiblen Begleiter wünschte. Ein Hund, der mich überallhin begleiten sollte: in die Natur, in die Stadt, zum Camping – einfach überallhin. Was ich damals nicht ahnte: Holly, Ascani vom Vadruper Biber, zeigte mir schon sehr früh, dass sie auch sportlich ausgelastet werden wollte.
Mit dem Besuch des Unterordnungstrainings beim Hundesportverein HSC Kempen und Umgebung nahm unsere gemeinsame Reise ihren Lauf. Nachdem wir die Grundlagen gelernt hatten - wie man sich auf einem Hundesportplatz richtig verhält und kommuniziert - schnupperten wir erstmals ins Agilitytraining hinein. Und was soll ich sagen? Es war Liebe auf den ersten Sprung. Holly hatte sofort großen Spaß, und es schien, als würde sie sich das Ganze viel schneller aneignen als ich. Sie reagierte präzise auf meine Signale – als hätte sie nur darauf gewartet.
Schon bald kam die Frage auf: „Wann startet ihr denn euer erstes Turnier?“ Der Gedanke daran löste bei mir leichte Panik aus. Doch wer mit einem so motivierten und bewegungsfreudigen Hund in einem engagierten Hundesportverein trainiert, kommt um das Thema „Turnier“ kaum herum. Zunächst wollte ich uns vorsichtig an ein Fun-Turnier herantasten. Bei diesen Veranstaltungen stehen der Spaß, das Sammeln erster Erfahrungen und die Stärkung des Vertrauens zwischen Mensch und Hund im Vordergrund – ganz ohne Leistungsdruck. Der Parcours ist einfacher gestaltet als bei regulären Turnieren und bietet Anfängern eine ideale Möglichkeit, den Turnieralltag kennenzulernen.
Doch unsere Trainer hatten andere Pläne. Am 15. Juni richtete unser Verein ein offizielles Turnier in Kempen aus - und schnell war klar: Der erste Start sollte auf heimischem Boden stattfinden.


Das Publikum fieberte mit
Bis zu diesem Zeitpunkt hatten Holly und ich lediglich einzelne Geräte und kurze Sequenzen trainiert. Die Vorstellung, plötzlich einen ganzen Parcours zu bewältigen, ließ meinen Puls steigen. Denn der Einstieg erfolgt in der sogenannten A0-Klasse – einem dynamischen Laufparcours, bei dem jedoch auf Slalom und Wippe zunächst verzichtet wird. Einer unserer Trainer legte jedoch großen Wert darauf, dass auch diese Geräte bereits beherrscht werden – schließlich kann der Aufstieg in höhere Klassen schneller erfolgen, als man denkt. (An dieser Stelle sei erwähnt: Wir können sie!)
Der große Tag war da. Unsere Anmeldung erfolgte online, am Turniertag wurden Impfpass und Leistungskarte an der Meldestelle kontrolliert. Was noch fehlte, war Hollys offizielle Größeneinmessung. Da wir immer auf Medium (Hürdenhöhe: 40 cm) trainiert hatten, rechneten wir mit einer Widerristhöhe von über 35 cm. Doch Turnierrichter Ivo Wijns nahm sich viel Zeit für die Vermessung und entschied, dass Holly knapp unter 35 cm liegt - und somit in der Klasse „Small“ starten durfte.
Endlich ging es los. Holly war ganz die Ruhe selbst, neugierig, offen und voller Entdeckungsfreude. Ich versuchte, meine Nervosität zu verbergen - nicht zuletzt wegen des heimischen Publikums. Wie immer legte ich Holly vor dem Start ab, um ihre Aufmerksamkeit auf den Parcours zu lenken. Doch sie entschloss sich kurzerhand, lieber ein wenig herumzuschnüffeln - vermutlich in Erwartung eines Leckerlis. Doch im Turnier gibt’s natürlich keine Belohnung vorab.
Gleich nach dem Start entdeckte Holly ein paar Hundekumpel auf der anderen Seite des Zauns, was sie kurzzeitig ablenkte. Ich war heilfroh, dass ich sie mit ruhiger, aber bestimmter Stimme zurückholen konnte – und wir den Parcours gemeinsam weiterliefen. Das Publikum fieberte mit, selbst unsere Trainer behielten kaum die Nerven, und ich hörte aus der Ferne ihre aufmunternden Zurufe. Holly meisterte die Geräte souverän – in ihrem eigenen Tempo. Ich weiß, dass sie noch schneller kann. Doch was zählt: Sowohl der A-Lauf als auch die Second Chance waren fehlerfrei!
Unser Ergebnis beim ersten offiziellen Start: ein zweiter und ein erster Platz. Ich hätte es nicht für möglich gehalten - aber Holly hat’s einfach drauf.
Auf meine kleine Sportlerin ist Verlass!
Eure Heike Meier mit Holly (Ascani vom Vadruper Biber)